Geschichtliches Geschichtliches
© FG Heeschter Berkediebe 2016

Fastnachtsgesellschaft Heeschter Berkediebe e.V.

  Auszug aus der Chronik Voller Stolz kann die Fastnachtsgesellschaft auf ein Protokoll vom 2. März 1946 hinweisen, aus dem hervorgeht dass an diesem Tag die erste Prunksitzung im „Reich des Schwanen“ stattfand und “11 Heeschter Berkediebe mit Pauken und Trompeten unter Führung Alfons 1. einmarschierten, und der neue Büttenmarsch der Heeschter Berkediebe von Max Kerz bis unters Dach zündete“. Allerdings ist die Fastnacht und das fastnachtliche Brauchtum in Hainstadt viel älter. Dies lässt sich mit Hilfe unseres Heimatbuches von Pater Ambrosius Götzelmann nachweisen. Er zeigt darin einige Vorgänge auf, die engstens mit der Dorfordnung von 1448 verknüpft sind und Hinweise auf die Fastnacht geben. Mit Recht können wir Heeschter deshalb darauf verweisen, dass „Faschenaacht“ bei uns schon seit dem späten Mittelalter gefeiert wird. Wie kam es zu dem Namen Heeschter Berkediebe? Mit diesem Namen belegten uns die Bewohner un¬serer Nachbargemeinden schon lange vor der FG -Gründung und dies hat folgenden Hintergrund: Obwohl der Waldanteil auf unserer Gemarkung sehr groß ist, war die Gemeinde Hainstadt nicht im Besitz dieser Waldungen. Die meisten Waldanteile gehörten den jeweiligen Grundherrschaften unseres Dorfes wie dem Erzbistum Mainz, den v.Collenberg usw. Ein Waldgebiet mit Namen „Mainzer Wäldchen“ erinnert noch heute an die früheren Besitzer. Erst durch die Säkularisation im Jahre 1803 kamen geistliche Herrschaftsgebiete an weltliche Fürsten. In Hainstadt waren dies die Fürsten von und zu Leiningen, die eigentlich aus linksrheinischem Gebiete stammten. Diese neuen Grundherren achteten darauf, dass ihre Waldungen strengstens beaufsichtigt wurden, damit es zu keinen Wald- oder Holzfreveln kommen konnte. In Hainstadt war es bereits damals alter Brauch, dass an bestimmten Festtagen und Feierlichkeiten die Dorfstraßen mit jungen Birken geschmückt wurden. Gefährlich war es aber, dieses frische Birkengrün in den gut bewachten herrschaftlichen Hainstadter Wäldern zu schlagen. Viel gefahrloser und vor allen Dingen näher war es, die Birken im Buchener Stadtwald zu stehlen. Auf Dauer konnte aber dieses Unterfangen nicht gut gehen. Eines Tages wurden einige von dem Buchener Förster erwischt. Den Dieben gelang es zu entkommen, allerdings mussten sie in der Eile die bereits geschlagenen Birken zurücklassen. In seiner ihm eigenen Buchener Mundart rief der Förster den Flüchtenden nach: “ Eych Heeschter Berkediebe kriech ich no!“ Seit dieser Zeit sind die Heeschter in der gesamten Umgebung als „Berkediebe“ bekannt und seit dem Jahre 1946 hat die Fastnachtsgesellschaft den Namen „Heeschter Berkediebe“ angenommen. Trotz des verlorenen Krieges, der vielen Evakuierten und Heimatvertriebenen, der Armut und der Rationierung der Lebensmittel blühte nach dem 2. Weltkrieg die „Stroßefaschenaacht“ in Hainstadt gewaltig auf An den drei närrischen Tagen verkleideten sich die Narren und zogen in kleineren und größeren Gruppen, die häufig von Strohbären begleitet wurden, von Haus zu Haus. Dabei blieben auch manche Streiche nicht aus, die man vor allem unbeliebten Dorfbewohnern spielte. Oft wurden auch besonders pikante Vorkommnisse des vergangenen Jahres glossiert. Als Traditionsfigur der Heeschter Stroßefaschenaacht kann man den Strohbären bezeichnen. Früher, als noch Erbsen angebaut wurden, hat man junge Burschen vollkommen mit Erbsenstroh eingebunden, einen Maulkorb umgehängt und an einem Leitseil hängend dann durch die Straßen des Dorfes getrieben. Die den Bären begleitenden Masken, zumeist als Clowns verkleidet, bettelten an den Haustüren und Fenstern um „Schwarzen Habber“. Dieser bestand in früheren Zeiten aus einem kräftigen „Dörrfleesch-Veschper“, Eiern und etlichen Gläsern Mooscht oder Schnaps. Nicht fehlen durfte bei der Gruppe ein Ziehharmonikaspieler, und der Bär musste nach seinen Melodien tanzen. Heute bevorzugt man als „Schwarzen Habber“ klingende Münzen oder Süßigkeiten. Der Walldürner Volkskundler Dr. P.Assion hat für die Herkunft des Strohbären im Fastnachtsbrauchtum verschiedene Deutungen. Zum einen glaubt er im Strohbären die Verkörperung des Winters zu sehen, den es am Frühlingsfest, der Fastnacht, hinauszuführen gilt, und er meint, dass die Figur des Treibers diese Deutung noch untermauert. Zum anderen sieht er im Strohbären auch einen alten Dreschbrauch, da das Dreschen früher bäuerliche Winterarbeit war, die sich meist bis ins Frühjahr hinzog, und man somit zur Fastnachtszeit frisch ausgedroschenes Stroh zur Verfügung hatte. In einer dritten Version sieht er den Stohbären als eine Nachahmung der Tanzbären und ihres Bärenführers, wie sie seit dem Mittelalter auf Jahrmärkten auftraten. Wie wir sehen, können wir die Herkunft des Strohbärenbrauches nicht mit absoluter Sicherheit deuten! Je mehr sich die wirtschaftliche Situation nach der Währungsreform 1948 und später in den Fünfziger Jahren (die wir ja so gerne als Wirtschaftswunderjahre bezeichnen) verbesserte, desto mehr gingen alte Fastnachtsbräuche zurück, und das Niveau der Heeschter Faschenaacht verflachte immer stärker. So war es nicht verwunderlich, dass sich ein Stab von Heeschter Berkedieben am 17.2.1960 bei einer närrischen Sitzung im Gasthaus „Zum Grünen Baum“ traf, um die Vereinsarbeit wieder aktiver zu betreiben. Seit dieser Zeit ist die Vorstandschaft zusammen mit dem Elferrat bemüht sowohl die Straßenfastnacht als auch die Saalfastnacht zu fördern. Bereits am 15.1.1961 konnte wieder eine Prunksitzung im vollbesetzten „Schwanen“ - Saal unter der Regie des damaligen Elferrates mit großem Erfolg abgehalten werden. Ein Jahr darauf (1962) fand der erste zünftige Zigeunerball statt, der zu den beliebtesten Fastnachtsveranstaltungen unserer Umgebung zählt. Als besondere Attraktion konnte Frau Hüttner in der Saison 1966 die erste Heeschter Garde vorstellen. Im Laufe der Jahre gesellten sich zur Seniorengarde die Jugendgarde, sowie die Kindergarde, die heute von der „Heeschter Faschenaacht“ nicht mehr wegzudenken sind. Auch die verschiedenen Tanzmariechen konnten bei den Tanzturnieren und Prunksitzungen große Erfolge erringen. Begehrt ist die seit 1969 jährlich erscheinende Fastnachtszeitung „Der Heeschter Berkedieb“. Eine weitere gelungene Attraktion bildet heute der „Berkedieb“, der sich in einer Manchester Hose, grünem Hemd, rotem Halstuch und einer roten Datschkappe zeigt. Dazu trägt er ein Birkenbäumchen und ein Handbeil. Bei Narrenumzügen des Narrenringes Main-Neckar und bei den lokalen Umzügen kommt diese Gruppe immer gut an. Aus all dem Geschilderten ist zu ersehen, wie sehr die FG Heeschter Berkediebe bemüht ist, altes Brauchtum zu erhalten und der Hainstadter Bevölkerung einige urwüchsige närrische Tage zu bieten. Bereits am 11.11. eines jeden Jahres beginnt die neue Kampagne mit dem Besuch der Narrenbirke durch den Elferrat und die verschiedenen Garden zusammen mit der Musikkapelle. Danach erfolgen die Vorstellung und die Vereidigung des Elferrates. Die Hauptattraktion der Saalfastnacht ist mit Sicherheit die Prunk- und Fremden-Sitzung. Die Jugend feiert den „Schmutzigen Donnerstag“, wobei sie mit vielen Lärminstrumenten begleitet von der Musikkapelle durchs Dorf zieht und die Faschenaacht sucht und ausgräbt. In den letzten Jahren wurde die Ausgrabung noch durch das Berkediebe-Spiel ergänzt. Im Anschluss wird dann vom Elferrat das Rathaus erstürmt und die Gemeindeverwaltung wird für die närrischen Tage abgesetzt und der „Hohe Elferat“ übernimmt die Regierungsgewalt! Am Fastnachtsonntag sind dann alle Narren zum Frühschoppen, und am Abend zum traditionellen Zigeunerball eingeladen. Am Rosenmontag und Fastnachtsdienstag nach dem Umzug beherrschen die Straßennarren und Strohbären das Dorfgeschehen. In den verschiedenen Lokalen ist dann kaum noch ein freier Platz zu finden. Die kleinen Narren treffen sich in der Turnhalle zum beliebten Kinderball. Wenn die Uhr dann 12 Uhr schlägt, wird unter großem Jammer und Geheule die Strohpuppe, die über die Fastnachtszeit am Rathaus hängt und als Symbol der Heeschter Faschenaacht gilt, dem Feuer übergeben. So endet jedes Jahr die Fastnachtszeit in Heescht. Für den Elferrat aber gibt es bereits wieder Grund, sich am Aschermittwochabend zum Rollmopsstechen zu treffen, um ein Schlußresümee über die abgelaufene Kampagne zu ziehen. Wie es wirklich war …. (der geschichtliche Hintergrund) Die Gemeinde Hainstadt zu welcher auch die schon zur Zeit Karls des Großen erwähnte unterste Morretal - Mühle, eine Enklave innerhalb der Buchener Gemarkung, gehörte, hat mit Buchen eine 8 km lange gemeinsame Gemarkungsgrenze. Während Buchen einen äußerst wertvollen über 1000 ha großen Wald besitzt, ist die Gemeinde Hainstadt darin vom Schicksal übergangen worden, Da ist es, wenn nicht zu billigen, so doch zu verstehen, wenn die Hainstadter ihren Bedarf an Besenreisig ohne juristische Bedenken und moralische Hemmungen beim reichen Nachbarn deckten, Es wäre nun dem freundnachbarlichen Verhältnis gedient gewesen, wenn der hohe Rat zu Buchen aus sozialen Gründen und im Gedanken an das Bibelwort: "Wer zwei hat, gebe dem einen, der keinen hat", sich zu einer pachtweisen Überlassung eines Walddistrikts hätte entschließen können. Aber auch ohne diese Lösung handelte es sich bei diesen Waldvergehen weniger um einen fühlbaren Schaden und hohen Streitwert, als um die verletzte Eitelkeit der hohen Stadtverwaltung. Man denkt da unwillkürlich an die folgenschweren Ereignisse vom Jahrs 1514. Damals lag auf der Walldürner Hohe in den so genannten Lappen, wo die Gemarkungen Buchen, Hainstadt und Hettingen zusammenstießen, eine größere Flache Ödland, dessen Zugehörigkeit durchaus ungeklärt und weil gänzlich unfruchtbar auch ganz gleichgültig war. Niemand kümmerte sich um dies Niemandsland, bis der Hainstadter Bauer Kunz Christmann ein Stück einsäte, im guten Glauben als Hainstadter Grund und Boden. Der Rat der Stadt Buchen erblickte darin einen Eingriff in seine Rechte und ließ die Saat durch eine Schafherde vernichten. Dieser Vorfall führte dann, da Kunz Christmann dem Ritter Götz von Berlichingen untertan war, zu anfänglich schriftlichen, nach einem Jahr zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Götz und dem Erzbischof von Mainz und endete mit einem vollen Sieg des Ritters. Der Vorgang zeigt, wie die Engstirnigkeit der Menschen in gekränkter Eitelkeit oft um gänzlich nichts sagende Dinge ungeheuren Schaden anrichten und vieltausendfache Werte zerstören kann. Zur Abstellung der Hainstadter Eigenmächtigkeiten trat am 19, November 1833 der Buchener Ausschuss mit 341 Mitgliedern unter Vorsitz des Bürgermeisters Heilig zusammen, und befasste sich vor allem mit den Verhältnissen im Wald-Distrikt „die Birken“ an der Hainstadter Grenze. Nach längerer Beratung wurde der einhellige Beschluss zu Protokoll genommen: ,‚Da uns allen bekannt ist, dass dieser Waldtheil wenig für die Stadtkaße abwirft, daß den in der Gemeinde Hainstadt sich befindenden Gewohnheitsfrevlern kein Einhalt gethan werden kann, so wollen wir, daß dieses Stück Wald ausgerottet, urbar gemacht und als Ackerfeld benutzt werde.“ Da die Herren vom Ausschuss sich jedoch von dieser Maßnahme keinen vollen Erfolg versprachen - der liebe Gott ließ auch anderswo im Amberg Birken wachsen - so wurde in der gleichen Versammlung eine erhöhte Waldhut beschlossen und protokolliert: „Zum Schutze des Waldes im Amberg soll, solange dies nothwendig ist, täglich eine Aufsicht von zwölf Gemeindebürgern in der Frohnde als Patroille bei Nacht abgeschickt werden. Dieser Aufsicht soll jedesmal ein Gemeinderath oder ein Mitglied des Bürgerausschußes anwohnen und solche leiten.“.

FG Heeschter Berkediebe

     

Berkediebe Marsch von M. Kerz 1. Es gibt ein Ort auf dieser Welt im Odenwald bekannt Ein Städchen klein, doch reich an Buchenwald. Speck und Schinken, Herz was ist denn da noch Dein Begehr Heeschter horch, was willscht Du denn no mehr ! Ref: Mir Heeschter Berkediebe, Mir klaue nur aus Liebe, Geld häbbe mir jo gnuch, denn mir gehn jo hinnerm Pflug ! 2. Die Lieb ist auch bei uns zuhaus, wie auf der ganzen Welt. Die Mädli fein, sie gucke net uffs Geld. Willst Du sie seh´n im Stall, im Hof, überall blitzt es nur so, Heeschter horch, was suchst Du annerscht wo ! Refrain 3. Die Zeit der Narren kennen wir, dann kribbelt´s in de Hoor, heute blöd, is besser wie´s ganze Johr. Der Narren Rummel ist vorbei, ja da gibt es Ruh, Heeschter horch, es ruft der Ochs die Kuh. Refrain